Worum es hier geht:
Produktteams stehen unter wachsendem Druck. Nutzerbedürfnisse werden häufig nicht systematisch validiert, strategische Arbeit bleibt im Alltag oft Wunschdenken. Was die Forschung dazu sagt und was sich ändern muss.
Zwei von drei neuen Produkten scheitern innerhalb von zwei Jahren nach Markteinführung. Diese Zahl zirkuliert in der Branche seit Jahren und wird regelmäßig hinterfragt. Klar ist jedoch: Produktmisserfolge sind kein Ausnahmefall, sondern strukturelle Realität. Die Ursachen liegen selten in schlechter Ausführung, sondern häufig in fehlenden Grundlagen: unzureichendem Verständnis der Nutzer, fehlender Validierung von Annahmen und einer Priorisierung, die mehr durch interne Meinungen als durch Marktkenntnisse gesteuert wird.
Wir beobachten dieses Muster seit Jahren in unserer Arbeit mit Produktteams. Und die Datenlage bestätigt, was wir in der Praxis erleben.
Das Strategiedilemma: Was Unternehmen wollen und was Produktmanager tun
Laut einer Onlineumfrage unter 244 Fach- und Führungskräften im DACH-Raum (CAVISIO, 2026) wollen 50,4 % der befragten Unternehmen Produktmanagement strategisch ausrichten. Tatsächlich dominieren jedoch operative Aufgaben: Nur rund 14 % der Befragten gaben an, dass strategische Aufgaben in ihrem Alltag überwiegen.
Das ist kein individuelles Versagen. Unklare Rollenabgrenzungen (31,1 %), fehlende Ressourcen (25,4 %) und ein chronisch hoher operativer Workload (18,0 %) verhindern strukturell den Übergang zu strategisch ausgerichteter Produktarbeit. Produktmanager wollen strategisch arbeiten. Die Organisation lässt es häufig nicht zu.
Kundennähe: Ein strukturelles Defizit mit messbaren Folgen
Rund 72 % der Produktmanager im DACH-Raum verbringen kaum direkte Arbeitszeit mit Nutzern. Weniger als 10 % berichten von regelmäßigem und intensivem Kundenkontakt (CAVISIO, 2026). McKinsey hat in einer fünfjährigen Studie mit 300 Unternehmen gezeigt, dass mehr als 40 % der Unternehmen Endnutzer während der Entwicklungsphase gar nicht befragen (McKinsey, 2018). Zeitgleich erzielen Unternehmen im oberen Quartil des McKinsey Design Index 32 Prozentpunkte höheres Umsatzwachstum gegenüber ihren Branchenvergleichswerten. Die Korrelation ist belegt.
Zu beachten ist: Mangelnde Nutzernähe ist ein signifikanter Risikofaktor, aber keine alleinige Erklärung für Produktmisserfolge. Marktbedingungen, Timing und Ressourcen spielen im Einzelfall ebenso eine Rolle. Dennoch bleibt die Schlussfolgerung klar: Wer Nutzer nicht systematisch einbindet, erhöht das Risiko erheblich, an den tatsächlichen Bedürfnissen des Marktes vorbei zu entwickeln.
PM und UX: Zwei Disziplinen mit einem gemeinsamen Gegenstand
User Experience ist kein Designthema. Es ist eine Entscheidungsgrundlage.
Das traditionelle Modell funktioniert in der modernen Produktentwicklung nicht mehr zuverlässig: PM liefert Anforderungen, UX liefert Designs, Entwicklung baut. Wenn UX erst nach der Priorisierung eingebunden wird, sind kostspielige Korrekturen oft die Konsequenz. Wenn Priorisierungsentscheidungen ohne Nutzerperspektive getroffen werden, fehlt die Grundlage für wirksame Produktarbeit.
Das bedeutet nicht, dass Produktmanager zu UX-Experten werden müssen. Es bedeutet, dass sie Nutzerperspektiven verstehen, übersetzen und in Roadmaps, User Stories und Stakeholder-Kommunikation einbetten können müssen. Genau diese Fähigkeit unterscheidet nach aktuellem Forschungsstand erfolgreiche von durchschnittlichen Produktteams!
Was das für Weiterbildung bedeutet
Leadership ohne formale Macht, nutzerzentrierte Entscheidungsfindung, datenbasierte Priorisierung, Barrierefreiheit als operative Anforderung: Das sind die Kompetenzen, die Produktmanager im DACH-Raum laut aktueller Studienlage dringend ausbauen wollen (CAVISIO, 2026).
Diese Fähigkeiten entstehen nicht durch Methodensammlungen. Sie entstehen durch praxisnahes Training, das Produktmanagement und UX als zusammengehörige Disziplinen versteht und Entscheidungskompetenz im echten Produktkontext aufbaut.
Wir haben den Status quo moderner Produktteams in einem umfassenden Report aufgearbeitet: mit aktuellen Studiendaten, konkreten Handlungsempfehlungen und einer klaren Einschätzung, welche Kompetenzen in den nächsten Jahren entscheidend werden.
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